Warum dein Angebot schwerer klingt als es ist
Kennst du das? Jemand fragt dich: Was machst du eigentlich genau? Dann hörst du dich antworten und denkst: Warum klingt das so viel komplizierter als es ist? Oder du sitzt zum dritten Mal an deinen Website-Texten und weißt immer noch nicht, ob es jetzt endlich stimmt. Die vierte Runde kommt bestimmt, das ist mal sicher.
Viele Coaches denken dann, sie könnten sich einfach nicht gut genug ausdrücken. Also suchen sie neue Vorlagen, bessere Methoden, einen anderen Ansatz. Nur: Das stimmt fast nie. Der Grund liegt ganz woanders.
Du bist damit nicht allein
Das Gefühl, das eigene Angebot nicht auf den Punkt bringen zu können, ist so verbreitet, dass es fast schon zum Alltag im Coaching-Business gehört. Es hat nichts mit deiner Kompetenz zu tun. Und auch nichts damit, dass deine Arbeit zu komplex wäre, um sie zu erklären.
Es fehlt schlicht noch etwas. Und das nehmen wir heute ein bisschen auseinander.
Grund 1: Zu viele Themen, kein Kern
Das Erste, was ich am häufigsten sehe: Das Angebot ist schlicht zu weit gefasst. Nicht weil meine Kundin zu viel kann, sondern weil sie sich noch nicht entschieden hat, was im Mittelpunkt stehen soll.
Ich kenne das auch aus eigener Erfahrung. Mein früheres Programm Roots sollte alles enthalten, was ich jemals wusste: Gesundheitscoaching, Business-Mentoring, sechs Monate Laufzeit. Die eierlegende Wollmilchsau in Programmform, sozusagen. Und ich kenne eine Kundin, deren Online-Kurs 60+ Stunden Videomaterial hatte. Hunderte Seiten Workbooks ... ein echtes Monster.
Was unsere Kurse gemeinsam hatten: Sie haben die Menschen erschlagen und überfordert. So gut gemeint, aber da geht die Intention alles zu geben, einfach nach hinten los.
Ein Angebot, das alles abdecken will, erklärt sich nämlich nicht von selbst. Und das spürst du im Content: Du erklärst viel, aber triffst nur wenige.
Frag dich mal: Was ist der eine Kern in allem, was du anbietest? Was würde übrig bleiben, wenn du alles Drumherum weglässt?
Grund 2: Wissen ist nicht dasselbe wie Klarheit
Das ist einer meiner Lieblingsgedanken, einfach weil er so entlastend ist.
Du kannst sehr viel wissen. Über Coaching, deine Methoden und deine Zielgruppe. Und trotzdem noch nicht klar sein, wie du das wirksam zusammenfasst.
Im Ergebnis klingt die Antwort auf „Was machst du eigentlich?" dann ungefähr so: „Also, es ist ein bisschen kompliziert…" - gefolgt vom halben Lebenslauf und einem Ritt durch alle Programminhalte.
Ich geb zu: Ich war Expertin darin. Auf einem meiner ersten Netzwerktreffen habe ich mich so vorgestellt: „Ich bin ursprünglich Gesundheitscoach — nee, warte, eigentlich muss ich noch einen Schritt zurückgehen, ich komme aus dem kaufmännischen Bereich. In der Zwischenzeit hab ich aber…" - eine Menge Rauschen - „…also ich mache Business-Mentoring für Coaches, die Contentstress haben." Meine 60 Sekunden waren zu dem Zeitpunkt fast rum.
Da bist du raus, oder?
Das ist kein Kompetenzproblem. Das ist ein Destillationsproblem. Die Frage ist nicht: Was kann ich alles? Sondern: Was ist der Kern davon und was hat das mit meiner Kundin zu tun?
Denn deine Kundin schaut immer durch denselben Filter auf dich: Warum sollte ich dir gerade meine Zeit und Energie schenken? Verbindung entsteht nur, wenn du dein Angebot in ihren Kontext setzt. Klar und relevant.
Frag dich mal: Könnte jemand nach drei Minuten mit dir sagen, wobei du genau hilfst — und wem?
Grund 3: Angst vor Festlegung hält dich in der Unschärfe
Und dann gibt es noch diesen Grund - den, über den wir selten sprechen, weil er einen tieferen Nutzen hat.
Wenn du dich nämlich nicht festlegst, kannst du auch nicht falsch liegen. Du bringst möglichst viele Richtungen rein, damit sich jeder abgeholt fühlt und niemand ausgeschlossen wird. Der Dönerladen mit indischer Küche, Burger, Pizza und Asia-Bowls, alles gleichzeitig, Speisekarte mit 85 Gerichten. Nur: Den würdest du wahrscheinlich auch nicht suchen. Und deine Kundin dein Angebot genauso wenig, wenn es zu breit aufgestellt ist.
Sich nicht festlegen zu wollen ist übrigens völlig normal. Es ist ein sehr menschlicher Schutzmechanismus: Wir wollen dazugehören, niemanden ausschließen, nichts verpassen. Tribe-Feeling szusagen ... das steckt tief in uns drin.
Aber er kostet - nicht nur im Business, sondern auch in deinem ganz persönlichen Energiehaushalt.
Frag dich mal: Wo hältst du dich gerade absichtlich unscharf und was würde sich verändern, wenn du dich entscheiden würdest?
Was das bedeutet
Alle drei Gründe haben eines gemeinsam: Sie sind keine Zeichen dafür, dass mit dir oder deinem Angebot etwas nicht stimmt. Sie zeigen nur, dass noch ein Schritt fehlt. Ein Schritt in Richtung Klarheit, nicht in Richtung mehr Content, mehr Strategie oder besserer Formulierungen.
Nächste Woche schauen wir uns genau das an: Was es bedeutet, sich wirklich zu entscheiden und warum es sich freier anfühlt, als du jetzt vielleicht noch denkst.
Wenn du merkst, dass genau das gerade dein Thema ist
Ich lasse dich heute mit einer Abschlussfrage zurück: Wenn du dein Angebot in einem einzigen Satz zusammenfassen müsstest, welcher wäre das?
Nicht perfekt, nicht final, sondern nur ehrlich.
In meiner Arbeit gibt es diesen Moment, der mich jedes Mal berührt: wenn meine Kundin plötzlich sagen kann, was sie tut ... in einem einfachen Satz, ohne nachzudenken und ohne sich zu korrigieren. Nicht weil sie es geübt hat, sondern weil sie in gewisser Weise zu sich und ihrer Arbeit gefunden hat. Das ist keine Formulierungsfrage - das ist eine Klarheitsfrage und sie ist mehr als lösbar.
Wenn du das Gefühl hast, dass du das gerade nicht alleine sortieren willst, schau dir gern mein Mentoring Stimmig sichtbar an. Und wenn du noch nicht so weit bist: Komm in den Newsletter - wir denken das dort gemeinsam weiter 😊.