Inspiration reicht nicht - warum du als Coach auch führen darfst
Du inspirierst mit deinen Social Media Posts - aber zu Anfragen oder Buchungen führt's nicht. Und irgendwann fragst du dich, ob das alles überhaupt was bringt, denn natürlich fließt eine Menge Zeit und Energie in den Content.
Und ich kenn das selbst so gut ... vor allem aus einer Zeit, in der ich sehr viel auf Instagram gepostet habe. Content, der auch wirklich ankam, gespeichert wurde und sogar von Menschen aus den USA kommentiert wurde. Nur leider hat trotzdem keiner gebucht oder nach einem Gespräch gefragt.
Zu der Zeit war ich noch im Network Marketing mit ätherischen Ölen unterwegs. Als junge Mama war das meine Welt, weil ich selbst so gute Erfahrungen damit gemacht und gleichzeitig gehofft hatte, mir damit nebenbei mein Business aufzubauen. Auf Instagram hab ich inspirierenden Content ohne Ende geteilt. In jedem Post steckte ganz viel Herz, Kreativität und fundiertes Wissen, weil ich nichts Falsches rausgeben wollte. Nur leider hab ich mich schlicht und ergreifend nicht gefragt, wen ich damit konkret erreichen wollte.
Meine eigentliche Zielgruppe - andere frisch gebackene Mamas, die von ätherischen Ölen noch nie gehört hatten - kam nicht zu mir. Natürlich nicht, denn weil sie davon nichts wissen, haben sie halt auch nicht nach ätherischen Ölen und Rezeptmischungen gesucht. Ich hätte sie ganz woanders abholen müssen. Nämlich bei dem, was sie im Alltag wirklich beschäftigt: Schlechter Schlaf der Babies (oder der eigene), Kindergartenkrankheiten, die ständig nach Hause geschleppt werden und einen nach dem anderen in der Familie anstecken oder Erschöpfung. Und dann eben die Brücke zur "Lösung" bauen dürfen. Stattdessen habe ich Inspiration in Form von Ölmischungen geliefert - und mich dann gefragt, warum nichts passiert.
Später dann, schon als Coach, habe ich meine allerersten Podcast-Folgen aufgenommen. Ich bin von Thema zu Thema gesprungen, habe einfach geredet, wie mir der Schnabel gewachsen war, und bin irgendwann bei fast 45 Minuten gelandet - ohne roten Faden, ohne wirkliche Richtung. Wer hat sich damals gemeldet? Meine Partnerin, meine Mama, meine damalige Business-Mentorin. Die fanden das alle ganz großartig. Ansonsten: Stille. Und ich habe mich ehrlich gesagt erst später gefragt, warum jemand 45 Minuten zuhören sollte, wenn nicht mal ich selbst so richtig wusste, wohin das Ganze eigentlich führt. Zu der Zeit hab ich auf den Ratschlag gehört, einfach meiner Intuition zu folgen, weil "man mir so gerne zuhört" ... nur braucht selbst die beste Intuition eine Richtung und einen Rahmen, damit sie jemanden erreichen kann.
Hinter dem „bei mir passiert auch nichts" steckt tatsächlich sehr oft nicht das, was du vielleicht dahinter vermutest. Hier geht's nicht um zu wenig Disziplin, falsche Formate oder Strategien und auch nicht zu wenig Follower. Sondern etwas, das noch ein bisschen früher ansetzt.
Was Inspiration kann - und was nicht
Ich möchte Inspiration gar nicht schlechtreden, auch wenn's vielleicht grad so klingen mag. Inspiration ist so wichtig: Sie öffnet etwas und weckt ein Gefühl von: "das wär also möglich". Das ist wunderschön, braucht es auch und es hat seinen Platz.
Nur beantwortet Inspiration eben nicht die Frage, die danach kommt.
Ich hatte mal einen Post - den findest du noch auf meinem Instagram, wenn du lange genug scrollst - mit dem Satz: „In einer Welt, die süchtig nach Geschwindigkeit ist, ist Langsamkeit eine Superkraft." War der inspirierend? Ja, absolut. Aber war er relevant für meine Wunschkundin und ihr Coaching-Business? Ehrlich gesagt nein - zumindest nicht so wie er war.
Ich hätte von da aus weiterdenken dürfen: Wo ist Langsamkeit im Coaching-Business konkret sinnvoll? Was ändert sich, wenn du dir mehr Raum lässt? Was hat meine Kundin davon, das auszuprobieren ... nicht irgendwann, sondern diese Woche? Ich hätte einen kleinen konkreten Schritt anbieten können. Oder auch eine Einladung in meinen Newsletter, in dem genau dieser Raum für das Leise und die Zwischentöne entsteht.
Stattdessen habe ich eine schöne offene Frage gestellt, die zum Kommentieren einladen sollte - und meine Leserin aber genau da allein gelassen, wo sie mich gebraucht hätte.
Ich hab ein Bild, das dazu sehr gut passt: Stell dir vor, du zeigst einer Interessentin eine wirklich schöne Aussicht. Sie steht da, atmet ein paar Mal tief ein und aus und ist sehr berührt. Und dann dreht sie sich um, aber du bist weg. Sie weiß jetzt nicht, wie sie überhaupt dorthin gekommen ist. Und vor allem weiß sie nicht, wie sie jemals wieder zurückfinden soll, wenn sie das noch einmal möchte. Genau DAS ist Inspiration. Sie sagt: "Schau mal, das wäre möglich." Orientierung hingegen sagt: "Komm, hier geht's lang."
Beides hat seinen Platz, aber wenn du nur inspirierst und nie so richtig führst, dann lässt du dein Gegenüber genau an dem Punkt allein, an dem sie dich eigentlich bräuchte.
Das mit dem Führen
Jetzt kommt der Teil, bei dem ich sehr verstehe, wenn sich erst einmal was in dir sträubt. Denn Führen fühlt sich für viele von uns schlicht als zu direkt an, zu fordernd und fast schon wie (unangenehmes) verkaufen.
Du sagst dir "Ich bin sanft, ich bin selber sensibel und ich möchte niemandem zu nahe treten ... also mach ich's lieber anderes. Lieber noch ein schönes Zitat oder eine offene Frage am Ende des Posts."
Diesen kleinen inneren Dialog hab ich selbst mit mir geführt, weil ich nicht pushy oder salesy sein wollte.
Nur möchte ich dir heute mal einen anderen Blick darauf geben, weil ich denke, dass Führen in diesem Kontext etwas ganz anderes bedeutet als das, was wir meistens damit verbinden.
Führen bedeutet nicht, jemandem zu sagen, was er zu tun oder zu lassen hat. Es bedeutet, so klar in dem, was du tust, wem und wie du hilfst zu sein, dass dein Gegenüber sehr schnell weiß: Damit bin ich gemeint. Oder auch: Das ist nix für mich. Das ist keine Zumutung, sondern ganz im Gegenteil einen Gefallen, den du deiner Leserin tust. Du nimmst ihr nämlich eine Entscheidung ab. In einem Alltag, der schon randvoll ist mit kleinen und großen Entscheidungen (was anziehen, was essen, wie auf diese eine Nachricht antworten, in welcher Reihenfolge die Dinge angehen ...), ist das mehr wert, als es grad den Anschein haben mag.
Wir sind alle müde ... nicht weil wir kein Interesse haben oder weil wir träge sind. Irgendwann ist dieser "Entscheidungstank" nämlich einfach leer. Und auf diesen leeren Tank kommt dann dein schöner, gut gemeinter und wirklich bewegender Post. Der hinterlässt ein warmes Gefühl, ja, aber auch direkt die Frage: Was mache ich jetzt damit? Im besten Fall wird er gespeichert. Für irgendwann. Und irgendwann kommt halt nicht, weil der nächste Tag wieder demselben Muster folgt - täglich grüßt das Murmeltier gewissermaßen.
Ich lande ehrlich gesagt viel lieber im "Brauche-ich-nicht-Ordner", als im "Ich-speicher-das-mal-für-später-Ordner", aus dem dann nie was wird.
Wenigstens wurde beim ersterem eine Entscheidung getroffen. Und es ist ebenso wichtig, NICHT für jeden zu sein und Menschen durchaus abzuschrecken. Das hab ich nach der Zusammenarbeit mit Kundinnen, die nicht zu mir und meiner Arbeitsweise gepasst haben, lernen dürfen. Hätte ich dazu nämlich auch mehr geteilt, wären sie nicht zu mir gekommen.
Gut gemeint schützt eben nicht vor Unklarheit
Es gibt noch etwas, das ich in der Spiritualitäts- und Persönlichkeitsbubble sehr oft höre: "Verschenk dich einfach. Gib dein bestes Wissen gratis raus. Es kommt tausendfach zurück". Das Gesetz der Resonanz usw., kennst du sicher.
Das klingt so logisch, oder? So plausibel - erst Recht, wenn's deine Mentorin sagst, zu der du irgendwie auch aufschaust.
Was dabei aber wirklich passiert: Du gibst so viel, dass am Ende kein echter Grund mehr da ist, bei dir zu buchen. Und zwar nicht, weil du zu großzügig warst, sondern weil Großzügigkeit ohne Orientierung leider keine Richtung hat. Du gibst gewissermaßen einen Ozean, aber man kann sich nirgendwo festhalten und schwimmt einfach davon.
Dein Wille zu helfen braucht eine Form, erst dann kann er wirklich landen. So wie auch ein Bild manchmal einfach einen Rahmen braucht, damit es richtig wirken kann. Und zwar nicht, weil es ohne Rahmen nichts wert wäre, sondern weil der Rahmen ihm erst den Raum gibt, gesehen zu werden.
Die eigentliche Frage dahinter
Zum Schluss - und das sind zwei Fragen, die ich mir selbst immer wieder stelle und auch meinen Kundinnen:
Erkennst du dich in deinem Content wieder? Bist das du?
Und dann noch eine, die etwas tiefer geht:
Würdest du das genauso sagen, wenn dir niemand zuhört?
Wenn ich meinen alten Content anschaue - den Öle-Account, die frühen Podcast-Folgen - muss ich ehrlich sagen: nicht wirklich. Ich hätte das, als diejenige für die es gedacht war, wahrscheinlich selbst nicht mal verstanden, weil ich gar nicht die angesprochen habe, um die es mir eigentlich ging.
Wenn das anfängt zu landen
Es gibt einen Moment, in dem all das aufhört, ein Konzept zu sein und in dem du nicht mehr denkst: Ich muss jetzt führen, sondern sogar merkst: Ich habe meiner Leserin gerad etwas abgenommen. Nicht aufgezwungen - abgenommen. Dieser Moment fühlt sich nicht weltbewegend an. Eher wie: "Ach so. Natürlich. So war das gemeint."
Wenn du merkst, dass genau das gerade dein Thema ist, dann bist du in meinem etwas anderen Newsletter „unaufgeregt" genau richtig. Er ist Denkraum für sensible Coaches, die Klarheit suchen und nicht noch mehr Lautstärke wollen. Einmal in der Woche hab ich einen Impuls für dich, der nachwirkt und Fragen, die dich weiterführen. Ganz ohne Performance oder Marketing-Gedöns.
Und wenn du das nicht länger allein sortieren möchtest: In „Stimmig sichtbar" begleite ich dich in vier Wochen dabei, Klarheit in dein Angebot und deine Botschaft zu bringen. Damit Content leichter wird und Sichtbarkeit sich endlich stimmig anfühlt.